Bücher für Taferlklassler: nach der Lesemethode wählen
13.10.2026
Silbenweise, Laut für Laut oder fließend? Wie Ihr Kind in der Schule lesen lernt, zeigt, welches erste Buch es allein schafft – und wann.

Bücher für Taferlklassler wählen Sie danach, wie Ihr Kind in der Schule lesen lernt. Liest die Klasse silbenweise mit einer Fibel, suchen Sie kurze Wörter in großer Druckschrift, am besten in Silben getrennt, und nur mit Buchstaben, die schon durchgenommen wurden. Beginnt die Klasse lautierend mit Großbuchstaben, muss der ganze Text in Großbuchstaben stehen; beim fließenden, gleitenden Lesen zählen kurze Zeilen. Längere Geschichten lesen Sie Ihrem Kind vorerst vor.
Zuerst herausfinden, wie in der Klasse gelesen wird
Schulen bringen Kindern das Lesen auf unterschiedliche Weise bei: silbenweise, durch Zusammenschleifen einzelner Laute oder mit fließendem, gleitendem Lesen. Den Weg wählt die Schule, und sogar Klassen derselben Volksschule können sich unterscheiden. Es reicht also nicht zu wissen, womit das ältere Geschwisterkind gelesen hat.
Den schnellsten Hinweis finden Sie in der Schultasche: Das Lesebuch oder die Fibel nennt den Ansatz oft auf dem Umschlag oder im Impressum. Das Zweite, was Sie wissen sollten, ist die Reihenfolge der Buchstaben. Ein Buch voller Buchstaben, die das Kind noch nicht kennt, lehrt es vor allem eines: dass es nicht lesen kann. Beides klärt eine einzige Frage an die Lehrerin – Formulierungen zum Abschreiben finden Sie weiter unten.
Suchen Sie ein Buch als Geschenk zum Schulanfang, etwa für die Schultüte, und kennen die Methode noch nicht, greifen Sie lieber zu einer Geschichte zum Vorlesen. Weitere Ideen zum Schulstart finden Sie im Artikel Geschenk für Taferlklassler.
Drei Wege zum Lesen und was daraus fürs Buch folgt
| Silbenweise (Fibel) | Lautierend (Laute verbinden) | Fließend (gleitendes Lesen) | |
|---|---|---|---|
| Wie das Kind liest | Setzt Silben zusammen: MA-MA, O-MA | Verbindet Laute zum Wort, ohne Silben | Zieht die Laute ohne Unterbrechung ineinander |
| Buchstaben am Anfang | Kommen das ganze Jahr über einzeln dazu, Druck- und Schreibschrift | Oft zuerst nur Großbuchstaben, Kleinbuchstaben und Schreibschrift später | Je nach Lehrmaterial – fragen Sie, womit die Klasse gerade arbeitet |
| Erstes Buch zum Selberlesen | Große Druckschrift, kurze Wörter, am besten in Silben getrennt | Bei Start mit Großbuchstaben: ganzer Text in Großbuchstaben, kurze Sätze | Kurze Zeilen, große Schrift, viel Abstand zwischen den Wörtern |
| Was Sie vorerst meiden | Lange Wörter und Konsonantenhäufungen | Bücher in Kleinbuchstaben, solange die Klasse sie nicht kennt | Druck auf das Lesetempo |
Silbenweise: Bilderlesen im Herbst, erste Bücher zur Jahresmitte
Beim silbenweisen Lesen mit der Fibel kommen die Buchstaben nach und nach über das ganze Schuljahr dazu, und das Kind setzt sie zu Silben zusammen. Im September und Oktober schafft es deshalb nur Texte aus wenigen Buchstaben – für ein eigenes Buch ist es zu früh, und die Fibel fordert es ohnehin genug.
Im Herbst passen Bücher mit Bilderlesen: Statt mancher Wörter stehen kleine Bilder, die das Kind selbst „liest“, die kurzen Wörter dazwischen lesen Sie oder es probiert sie selbst. Etwa zur Mitte des Schuljahres, wenn die Klasse die meisten Buchstaben kennt, ist Zeit für erste Bücher in großer Druckschrift mit kurzen Wörtern. Große Verlage haben eigene Reihen für Leseanfänger, oft nach Schwierigkeitsstufen gegliedert; die Stufe steht meist auf dem Umschlag. Beginnen Sie mit der niedrigsten Stufe oder dem kürzesten Titel, auch wenn er Ihnen kindisch vorkommt. Die nächste Stufe kommt dazu, wenn Ihr Kind ein Buch ohne größere Stolperer zu Ende liest, meist im Frühling. Das Gefühl, ein ganzes Buch allein geschafft zu haben, zählt jetzt mehr als eine spannende Handlung.
Vorsicht bei langen Wörtern und Konsonantenhäufungen. „Strumpf“ oder „Schrank“ sind für ein Kind im November schwerer als ein ganzer Satz wie „Mimi malt Oma.“ Stehen mehrere solche Wörter auf einer Seite, legen Sie das Buch für ein paar Monate zur Seite.
Lautierend: bei Großbuchstaben der ganze Text groß
Manche Klassen beginnen nur mit Großbuchstaben, und das Kind liest, indem es Laute verbindet, nicht Silben. Die Buchstaben werden dabei oft rascher hintereinander gelernt, sodass das Kind einen kurzen Text zu jedem Thema häufig früher liest als beim silbenweisen Weg – sofern er in GROSSBUCHSTABEN geschrieben ist. Kleinbuchstaben und Schreibschrift folgen erst später.
Fürs Buch heißt das eine strenge Regel: Der ganze Text muss in Großbuchstaben stehen, nicht nur der Titel. Ein Buch „für Erstklassler“ in Kleinbuchstaben ist für so ein Kind im Herbst unlesbar. Prüfen Sie das an einer Probeseite, nicht am Umschlag. Manche Leseanfänger-Reihen bieten eigene Ausgaben ganz in Großbuchstaben an. Den ersten Titel nehmen Sie schon im Herbst, sobald die Klasse die meisten Großbuchstaben kennt, und beginnen mit der kürzesten Geschichte. In Silben getrennte Wörter stören nicht, sind aber auch nicht nötig.
Tückisch ist, dass das Kind laut langsam Laut für Laut liest. Korrigieren Sie es nicht auf das Silbenlesen, das Sie aus Ihrer Schulzeit kennen – sonst bekommt es zwei widersprüchliche Anweisungen.
Fließend lesen: kurze Zeilen und keine Eile
Beim fließenden, gleitenden Lesen lernen Kinder, die Laute eines Wortes ohne Unterbrechung ineinander zu ziehen, statt sie in Stücke zu zerhacken. Am Anfang liest das Kind deshalb bewusst langsam und dehnt die Laute – das ist kein Fehler, den man zu Hause „auf Tempo bringen“ müsste.
Fürs erste Buch heißt das: kurze Zeilen, große Schrift und viel Abstand zwischen den Wörtern, damit das Auge nicht suchen muss, wo es weitergeht. Klassen, die so lesen lernen, arbeiten oft mit eigenen Lehrmaterialien. Fragen Sie daher, mit welcher Schrift und wie langen Texten die Kinder gerade arbeiten, und wählen Sie das Buch passend dazu. Am besten nehmen Sie eines, das an das aktuelle Material anknüpft, und geben es Ihrem Kind, sobald es in der Schule ganze kurze Sätze liest. Einen konkreten Titel empfiehlt Ihnen die Lehrerin. Fragen Sie nach dem Lesen, worum es im Text ging – das Verstehen ist hier genauso wichtig wie das Lesen selbst.
Was Sie die Lehrerin fragen können: zum Abschreiben
So testen Sie ein Buch in der Buchhandlung oder Bücherei
- 1Schlagen Sie eine Seite in der Mitte aufDie erste Seite ist meist die leichteste. Schauen Sie, ob der Text in der Schrift steht, die das Kind aus der Schule kennt.
- 2Zählen Sie unbekannte BuchstabenBeim silbenweisen Lesen suchen Sie Buchstaben, die die Klasse noch nicht hatte. Finden Sie mehr als zwei, drei davon auf einer Seite, heben Sie das Buch für später auf.
- 3Fahren Sie eine Zeile mit dem Finger nachAm Anfang lesen sich Zeilen mit wenigen Wörtern am besten. Eine lange Zeile über die ganze Seite heißt: Das Kind verliert die Stelle und beginnt zu raten.
- 4Lassen Sie das Kind den ersten Satz lesenStolpert es öfter als ein-, zweimal, ist das Buch noch zu schwer. Sehen Sie das nicht als Niederlage, sondern als Hinweis, wann Sie es wieder hervorholen.
- 5Prüfen Sie, wie viel Text auf einer Doppelseite stehtWenig Text und ein großes Bild sind kein Sparbuch – sondern ein Buch, das ein Taferlklassler zu Ende liest. Und ein fertig gelesenes Buch ist in der ersten Klasse das Wichtigste.
Bücher, die Ihr Kind nicht allein liest, aber braucht
Selbst zu lesen ist in der ersten Klasse langsam und anstrengend. Hätte Ihr Kind nur Bücher, die es allein schafft, bekäme es Geschichten auf Fibel-Niveau. Neben seinem eigenen Regal braucht es deshalb ein zweites – das, aus dem Sie vorlesen.
- Jeden Tag vorlesenEine längere Fortsetzungsgeschichte, bei der Ihr Kind wissen will, wie sie ausgeht. Die Lust aufs Lesenlernen wächst daraus, dass Geschichten sich lohnen. Anregungen gibt etwa der Österreichische Vorlesetag im Frühjahr, Tipps nach Alter im Artikel Kinderbücher: nach Alter, Interessen und Ausdauer wählen.
- Abwechselnd lesenSie lesen die langen Sätze, Ihr Kind kurze Wörter oder einen Satz pro Seite. Das klappt mit jedem Buch – zeigen Sie einfach mit dem Finger, welches Wort seines ist.
- Ein Buch, in dem es die Hauptfigur istDer eigene Name ist oft das erste Wort, das ein Kind als Ganzes erkennt. In einem personalisierten Buch taucht der Name in der ganzen Geschichte auf, sodass das Kind ihn sucht und selbst liest. Die Schrift ist aber an keine Lesemethode angepasst – es ist ein Buch zum gemeinsamen Lesen, keine erste Fibel. Die digitale Version ist meist in 15 Minuten fertig und hat 12 illustrierte Doppelseiten; wie sie entsteht, beschreibt der Artikel Personalisiertes Buch.
- Zuhören mit dem Text vor AugenSpielen Sie ein Hörbuch ab oder lesen Sie laut vor, und Ihr Kind fährt dabei den Text im Buch mit dem Finger mit. Es sucht Wörter, die es schon kann, und versucht sie zu erkennen – ohne Druck, selbst lesen zu müssen.
Quellen
- Projekt Gutenberg-DE — Gemeinfreie Märchen und Klassiker zum Vorlesen, frei zugänglich.
- ORF Sound – Kinder-Podcasts — Geschichten zum Anhören, etwa zum Mitlesen im Buch.