Gute-Nacht-Geschichten: Texte, Audio und ein Abendritual
19.8.2026
Wo Sie Gute-Nacht-Geschichten gratis finden – zum Vorlesen und zum Anhören – und wie daraus ein Ritual wird, nach dem Ihr Kind wirklich einschläft.

Gute-Nacht-Geschichten bekommen Sie gratis an drei Stellen: gemeinfreie Märchen und Klassiker zum Vorlesen gibt es bei Projekt Gutenberg-DE (projekt-gutenberg.org) und auf zeno.org, Geschichten zum Anhören bei ORF KIDS (kids.orf.at) und in den Kinder-Podcasts auf ORF Sound, und mit einem Büchereiausweis dazu E-Books über die Onleihe der öffentlichen Büchereien, etwa die Virtuelle Bücherei Wien. Fürs Einschlafen entscheidet aber weniger die Wahl der Geschichte als das Ritual selbst: dieselbe Uhrzeit, gedämpftes Licht, eine ruhige Stimme und jeden Abend derselbe Schlusssatz.
Die passende Gute-Nacht-Geschichte fürs Alter
Der häufigste Grund, warum die Abendgeschichte „nicht funktioniert“, ist simpel: Sie passt nicht zum Alter. Ein Kleinkind kann keinem Handlungsstrang folgen, und ein Kindergartenkind langweilt sich beim Pappbilderbuch. Wie sich die Ausdauer beim Zuhören mit dem Alter verändert, zeigt unser Ratgeber zur Buchauswahl für Kinder. Eine grobe Orientierung:
- 1–2 Jahre: Reime und PappbilderbücherRhythmus und Melodie der Stimme sind wichtiger als die Handlung. Kurze Fingerspiele und Reime (Backe, backe Kuchen; Hoppe, hoppe Reiter) und Pappbilderbücher mit einem Bild pro Seite. Ruhig immer wieder dasselbe – Wiederholung ist in diesem Alter sinnvoll, nicht langweilig.
- 2–4 Jahre: einfache Handlung mit WiederholungKettenmärchen, in denen immer noch eine Figur dazukommt: Die Rübe, Vom dicken fetten Pfannkuchen. Bald „liest“ Ihr Kind mit – die wiederkehrenden Stellen sprechen Sie gemeinsam, und das ist der erste Schritt zu einer Beziehung zu Büchern.
- 4–6 Jahre: klassische MärchenVolksmärchen und Bilderbuchklassiker wie Mira Lobes „Das kleine Ich bin ich“. Das Kind kann jetzt einer längeren Handlung und einer einfachen Moral folgen. Am Abend aber lieber die sanfteren Geschichten wählen – Sterntaler ja, Hexen, Teufel und Drachen kurz vor dem Schlafen eher nicht.
- ab 6 Jahren: Vorlesen in FortsetzungenJeden Abend ein Kapitel. Die Vorfreude auf die Fortsetzung ist einer der stärksten Lesemotivatoren überhaupt – und sie wirkt auch bei Kindern, die schon selbst lesen können, aber keine Lust dazu haben.
Gute-Nacht-Geschichten zum Anhören: gratis online
Eine Hörgeschichte ist praktisch, wenn Sie es abends nicht schaffen, unterwegs sind oder Ihr Kind lange zum Einschlafen braucht und Ihre Stimme nicht mehr mag. Wie Sie ein Hörbuch nach Alter und Art des Tons auswählen, erklärt unser Ratgeber zu Hörbüchern für Kinder. Kostenlose Quellen:
- Kinder-Podcasts auf ORF SoundAuf ORF Sound gibt es eine eigene Kategorie mit Kinder-Podcasts (sound.orf.at/podcast/kategorien/Kinder). Die Folgen lassen sich jederzeit abrufen, nicht nur zu einer bestimmten Sendezeit – praktisch, wenn der Abend anders läuft als geplant.
- ORF KIDSDas Kinderangebot des ORF unter kids.orf.at, gratis im Browser. Suchen Sie für den Abend gezielt die ruhigeren Inhalte aus, dann taugt es auch als leise Begleitung beim Einschlafen.
- Kindersendungen im FernsehenEine Einschränkung gilt für alles mit Bild: Es ist ein Bildschirm. Als „Gute-Nacht-Geschichte“ funktioniert eine Kindersendung besser am Nachmittag – das Licht des Displays schiebt das Einschlafen kurz vor dem Schlafen hinaus. Wann ein Video als Geschichte reicht und wann nicht, lesen Sie im Beitrag über vorgelesene Märchen auf YouTube.
- Podcasts mit MärchenIn Podcast-Apps finden Sie unter dem Stichwort „Gute-Nacht-Geschichten“ viele vorgelesene Märchen gratis – die Qualität schwankt, hören Sie eine Folge also zuerst selbst an. Für Audio am Abend gilt: nur Ton, kein Bildschirm.
Gute-Nacht-Geschichten zum Vorlesen: Texte gratis
Viele klassische Märchen sind gemeinfrei – die Urheberrechte sind längst abgelaufen. Bei Projekt Gutenberg-DE (projekt-gutenberg.org) und auf zeno.org finden Sie gemeinfreie Märchen und Klassiker im vollen Wortlaut, kostenlos und legal, zum Vorlesen und zum Ausdrucken. Weitere legale Quellen für Texte sammelt der Beitrag Märchen für Kinder online lesen.
Achten Sie nur auf die Sprache: Texte aus dem 19. Jahrhundert haben lange Schachtelsätze und Wörter, die Kinder heute nicht kennen. Bei Kindergartenkindern ist es üblich und völlig in Ordnung, den Text beim Vorlesen zu vereinfachen – Märchen wurden jahrhundertelang nacherzählt, nicht wörtlich zitiert.
Der zweite Weg führt in die Bücherei. Mit einem Büchereiausweis leihen Sie Dutzende Märchenbücher aus, die Sie sonst kaufen müssten, und über die Onleihe der öffentlichen Büchereien, etwa die Virtuelle Bücherei Wien, auch E-Books. Für das abendliche Vorlesen ist die Bücherei die günstigste Quelle, die es gibt.
Vorlesen, Hörgeschichte oder frei erzählen?
Keine Variante ist „die richtige“ – jede passt zu einem anderen Moment, und Sie können je nach Abend ruhig abwechseln.
| Variante | Wann sie passt | Schwachstelle |
|---|---|---|
| Vorlesen aus dem Buch | Basis des Abendrituals – gemeinsame Zeit, Nähe, das Kind sieht Text und Bilder | Kostet Ihre Energie; nach einem anstrengenden Tag schlafen beim Vorlesen auch Eltern ein |
| Hörgeschichte | Für unterwegs, bei Krankheit oder wenn das Kind nach der Geschichte lange wach liegt | Keine Nähe und kein Innehalten bei Fragen; das Tempo passt sich dem Kind nicht an |
| Frei erzählen | Das Licht ist aus und das Kind schläft noch immer nicht; die Geschichte lässt sich maßschneidern | Nach einem anstrengenden Tag eine Geschichte zu erfinden ist mühsam – ein Gerüst hilft (siehe unten) |
| Personalisiertes Buch | Als Geschenk und Abwechslung im Ritual – das Kind ist Held der eigenen Geschichte | Ersetzt nicht die täglichen Klassiker; es ist ein Buch, keine Bibliothek |
Kurze Gute-Nacht-Geschichte zum Auswendig-Erzählen
Die nützlichste Geschichte ist die, die Sie ohne Buch können – nach dem Licht-Ausmachen, auf der Hütte, im Auto. Diese hat einen bewährten Einschlaf-Aufbau: Der Held verabschiedet sich nach und nach von allem um sich herum, und mit jedem Abschied wird die Stimme langsamer und leiser.
Das Abendritual in fünf Schritten
Eine Geschichte macht am besten müde, wenn sie Teil einer vorhersehbaren Routine ist. Aktionen wie „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ und der Österreichische Vorlesetag erinnern jedes Jahr daran, wie viel regelmäßiges Vorlesen bringt – und am Abend lässt es sich am leichtesten durchhalten.
- 1Dieselbe Uhrzeit, dieselbe ReihenfolgeBaden, Pyjama, Zähneputzen, Geschichte, Licht aus. Vorhersehbarkeit ist für das kindliche Gehirn das Signal „jetzt wird geschlafen“ – stärker als jedes Zureden.
- 2Eine Stunde vor dem Schlafen kein BildschirmWeder Fernseher noch Tablet, auch nicht, wenn darauf ein Märchen läuft. Das Licht des Displays bremst das Melatonin und schiebt das Einschlafen hinaus.
- 3Das Kind wählen lassen – aber nur aus zwei, drei BüchernSelbst wählen zu dürfen verkürzt das Verhandeln. Die Auswahl aus dem ganzen Regal macht aber wieder munter; zwei, drei Bücher auf dem Nachtkästchen genügen.
- 4Langsamer und leiser lesen, als es Ihnen natürlich vorkommtGegen Ende der Geschichte Tempo und Lautstärke noch weiter senken. Ein Gähnen mitten im Satz ist kein Fehler, sondern Technik.
- 5Jeden Abend mit demselben Satz schließenEine Einschlafformel – etwa „Und jetzt schläft der ganze Wald. Gute Nacht.“ – wirkt wie eine Klammer hinter dem Tag. Nach ein paar Wochen spricht Ihr Kind sie mit.
Fehler, nach denen die Geschichte eher aufweckt
Wenn das abendliche Vorlesen mit einem aufgedrehten Kind endet, steckt meist eines davon dahinter:
- Actionreiche oder gruselige HandlungVerfolgungsjagden, Kämpfe und Teufel gehören auf den Nachmittag. Am Abend lieber Geschichten, in denen sich am Ende alle schlafen legen – wenn die Handlung sich steigert, drehen auch die Kinder auf.
- Eine neue, lange Geschichte kurz vor dem Licht-AusmachenEine neue Geschichte bedeutet Fragen, Spannung und „Wie geht es aus?“. Neues lesen Sie am Anfang des Abends, zum Schluss kommt eine bekannte Geschichte oder eine kurze Einschlafgeschichte.
- „Noch eine!“ ohne RegelVerhandeln macht zuverlässiger wach als Koffein. Vereinbaren Sie die Zahl vorher („heute zwei, du suchst aus, welche“) und bleiben Sie dabei – eine Regel, die manchmal nachgibt, ist keine Regel.
- Vorlesen als Belohnung oder Strafe„Wenn du brav bist, lese ich dir vor“ macht aus der Geschichte ein Druckmittel. Das abendliche Vorlesen soll eine Gewissheit sein, die jeden Tag gilt – genau aus dieser Gewissheit heraus schläft man ein.
Wenn Ihr Kind der Held der Geschichte ist
Kinder lieben Geschichten über sich selbst – deshalb wirkt Erzählen so gut, wenn darin ihr Name, ihr Zimmer und ihr Kuscheltier vorkommen. Die Papierversion dieser Freude ist ein personalisiertes Buch: Bei Buchheld entsteht aus einem einzigen hochgeladenen Foto eine Geschichte, in der der Held aussieht wie Ihr Kind und der Name grammatisch richtig im Text steht. Vor dem Bezahlen sehen Sie einen Titelvorschlag, eine Leseprobe und die Widmung – die fertigen Illustrationen aber nicht; das Buch ist ein einmaliger Kauf, kein Abo.
Für das Abendritual ist es eine Abwechslung und ein starkes Geschenk, kein Ersatz für die tägliche Runde an Geschichten: Es ist ein Buch, keine Bibliothek.